Unternehmensgeschichte
Lasst mich euch eine Geschichte erzählen, welche in unserer Firma sehr beliebt ist.
Jolvid stapfte durch Zwiewaters enge Gassen. Er warf einen Blick über seine Schulter, um sich zu vergewissern, dass Alara ihm noch folgte und konnte ihre rothaarige Gestalt ein paar Meter entfernt sehen. Mit einer harschen Kopfbewegung bedeutete sie ihm, wieder auf die Straße zu gucken. Die Straße war heute sehr voll, da die Menschenmassen zum Versammlungsplatz dröhnten - heute war das Erntefest und eine Person aus der Menge würde auserwählt werden, den Opferstapel zu verbrennen, welchen sie über die letzten Tage angesammelt hatte. Einige, welche ihre Gabe noch nicht auf ihn gelegt hatten, brachten sie nun mit sich und so sah Jolvid zahlreiche Früchte und Mahle, über den Menschenfluss verteilt, welcher ihnen entgegen kam. Er wollte zuerst auch an dem Spektakel teilnehmen und hatte sich nur schwer von Alara davon überzeugen lassen, nicht hinzugehen. Doch hier war er nun, auf dem Weg zur Grabstätte der Könige, welche sie nach dutzenden Jahren der Versiegelung und Monaten der Recherche öffnen würden.
Als sie schließlich angekommen waren, standen sie vor einer hölzernen Tür. Ihre Form war eigentlich nichts Besonderes – Ein simples Rechteck mit einigen einfachen Verzierungen welche aus dem Sandstein um das Tor herausragten – jedoch war es ihre Größe, welche beeindruckend war. Gut vier bis fünf Meter ragte sie über ihnen auf. So groß wie die Flügel waren, sind zwei kleinere Eingänge in das Holz geritzt worden. Überall auf dem Tor verteilt waren viereckige Eisenplättchen. In quadratischen Mustern waren sie ins Holz geschlagen worden und jedes einzelne besaß eine runde Mulde in der Mitte.
Jolvid holte die Schriftrolle aus seinem Beutel und gab sie Alara. Jene überflog die Rolle nochmals, obwohl sie sie bestimmt bereits auswendig gelernt hatte, und zog sich dann eine libellenähnliche Spange aus den Haaren, welcher ihre Strähnen schwallartig auseinanderfallen ließ. Sie entfernte eine Nadel aus dem Hauptleib der zahnradbesetzten Kreation und erweckte sie damit surrend zum Leben. Mit immer schneller werdenden Flügelschlagen hob die Figur ab. Jolvid hatte sich nie erklären können, wie Alara so etwas herstellen konnte, doch meistens war das auch relativ unwichtig, da er froh war, dass sie überhaupt dazu fähig war, was ihnen schon so manche Male aus der Patsche geholfen hatte.
Nun begab sich das mechanische Insekt wie von Zauberhand zur Tür, wo sie in präziser Reihenfolge auf den Eisenplatten und Jolrund war sich sicher, dass Alara die Libelle irgendwie mit den Rädern und Knöpfen, welche auf der Nadel verteilt waren, steuerte, verstand jedoch auch hier nicht wie.
Als die Libelle fertig war, zog sich das letzte Plättchen etwas zurück, bevor es sich mit einem Klick umdrehte und einen Schlüssel zum Vorschein brachte. Das Gerät krallte seine Beine um es und sackte etwas ein als sich der Schlüssel aus der Halterung löste und sich nun vollständig in seinem Halt befand. Es schwirrte zu Alara zurück, wo es den Schlüssel auf ihre offene Handfläche fallenließ und sich selber auf die andere, nachdem sie die Schriftrolle in ihrem eigenen Beutel verstaut hatte.
Alara umschloss den Schlüssel mit ihrer Faust und brachte die Libelle wieder in ihren Haarschopf an, bevor sie vortrat, um die kleinere Tür des linken Tors aufzuschließen. Jolrund folgte ihr, während sie den Eingang vorsichtig öffnete. Sie schaute ihn über die Schulter an, bevor sie ihn erneut warnte: „Und denke dran: Fass nichts an, was dir irgendwie verdächtig vorkommt“
Jolrund folgte ihr in die Gefilde dahinter, welche stockdüster erschienen, nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte. Daher öffnete er sie wieder ein Stück weit und holte zwei Fackeln aus seiner Tasche. Eine gab er Alara, welche ihre direkt entzündete. Bevor er sich mit seiner Umgebung vertraut machte, schloss Jolrund die Tür hinter sich und entflammte seine eigene Fackel an Alaras.
Als er sich umguckte, erblickte er einen Gang, welcher von Ziegelbögen umrandet tief ins Gewölbe hinein verlief. Von seinen Seiten konnte man einige Räume betreten, welche zwar tief in der Dunkelheit lagen, doch bereits klar war, dass sich zahlreiche Gräber in ihnen befinden. Der starke Schimmelgeruch und aufgewirbelter Staub bezeugten davon, dass die Toten hier schon lange ungestört gewesen waren. Die Stille wurde einzig von einem gelegentlichen Tropfen durchbrochen und jagte Jolrund einen Schauder über den Rücken. Irgendetwas hier, auch wenn er es nicht genau ausmachen konnte, schien so unheimlich falsch. Er wollte auf möglichst schnell wieder hinaus, jedoch zog ihn irgendetwas, tief in diesen Katakomben an.
Er und Alara gingen zuerst in den nächsten Raum der linken Seite. Es war eine weite Halle mit massenhaften Gräbern. Backsteinsäulen waren verteilt und die meisten Ruhestätten waren lediglich ein Sarg mit eingravierten Namen. Bei einigen jedoch waren reichere Beigaben wie Schmuck oder Waffen. Alles was sie fanden, steckten sie ein.
Irgendwann stieß Jolrund auf einen reich verzierten Sarg. Er konnte die genauen Symbole nicht ausmachen, jedoch sagte ihm irgendetwas, dass sich dieser umso mehr für eine Erkundung lohnen würde. Er war schon zu lange in diesen Gemäuern gewesen, um zu merken, dass etwas an dem Grab auffällig war. Dass sich die Markierungen zu bewegen schienen. Dass er das Licht fast schon verschluckte. Und das er eine Aura von solcher Kälte, und ja, schon Bosheit besaß, dass kaum einer behaupten konnte, so etwas zuvor erlebt zu haben.
Auf dem Grab lag ein eisernes Symbol. Einige goldene Adern zogen sich durch es und Jolrund war sich sicher, dass es so einiges wert war. Er fächerte seinen Beutel ein wenig, um es leichter einstecken zu können und umschloss das kalte Eisen. In dem Moment, in welchem er es entfernte, kam es frei.